Erinnern & Gedenken in Währing: Mach mit! | Magdalena Wagner
Am 12. März 1938 marschierten Truppen der deutschen Wehrmacht – unter Jubel eines großen Teils der Bevölkerung – in Österreich ein. Am 13. März 1938 wurde der „Anschluss“ mit dem „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ proklamiert. In der Weimarer Straße 22 lebte zu dieser Zeit Dr. Jakob Ehrlich. Er war Gemeinderat und Rechtsanwalt, sowie Vertreter der Kultusgemeinde. Unmittelbar nach dem Anschluss wurde er verhaftet, ins KZ Dachau deportiert, und dort bereits am 17. Mai 1938 ermordet. Er ist ein Beispiel dafür, wie Faschisten unmittelbar nach der Machtübernahme ihre potenziellen Gegner ausschalten.
Die „Steine der Erinnerung“ sorgen dafür, dass wir Dr. Jakob Ehrlich und andere jüdische Bürgerinnen und Bürger Wiens und Währings nicht vergessen. Sie verankern die früheren Bewohner*innen dort wo sie gelebt haben, schaffen Orte um der jüdischen Opfer des Holocausts zu gedenken, und erinnern uns an das vielfältige jüdische Leben und jüdische Kultur vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Von einigen Menschen, derer auf diese Weise gedacht wird, sind Lebensgeschichten bekannt, von anderen nur der Wohnort und spätere Ort der Ermordung.
Ich lade dich ein, mit uns am 8. November die Währinger Steine der Erinnerung zu besuchen, der Menschen die verfolgt und ermordet wurden zu gedenken, und die Steine zu reinigen. Denn der Straßenstaub setzt den Steinen zu, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt werden. Die Schrift wird unleserlich, sie verschwinden jetzt im Herbst unter Laubhaufen. Gerade im Vorfeld des Gedenkens an die Novemberpogrome ist uns wichtig, dass diese Gedenkorte, die sich in allen Grätzln Währings finden, gereinigt sind und damit auch wieder mehr ins Auge fallen.

Vielleicht entdeckst du dabei mit uns die Geschichte von Siegmund Subak, der mit seiner Frau Grete und Mutter Fini in Währing lebte – und der selbst im Konzentrationslager weiterhin die Musik hochhielt und einen Chor leitete. Oder die von Wilhelmine Löwenstein, die sich neben ihrer Arbeit als Ärztin in verschiedenen Vereinigungen für Frauenrechte engagierte – und die nach dem „Anschluss“ enteignet und mit Berufsverbot belegt wurde.
Für mich sind es diese Geschichten, das Erkennen der einzelnen Menschen hinter den unbegreiflichen Zahlen der Ermordeten und Vertriebenen, die uns klar machen: Jede Entmenschlichung bereitet den Boden für einen neuen Faschismus, dafür dass Menschen wieder ihrer Rechte beraubt, willkürlich verhaftet und deportiert, sogar ermordet werden könnten.
Mit unseren zwei Veranstaltungen im November wollen wir dafür sorgen, dass wir jeden Menschen weiterhin und zuallererst als Mensch wahrnehmen – und damit den autoritären, rechtsextremen Strömungen und dem schrittweisen Aufweichen von Menschenrechten etwas entgegensetzen.
Am Sonntag, 8. November um 14:00 Uhr treffen wir uns am Aumannplatz. Dort teilen wir uns in kleinere Gruppen und reinigen gemeinsam die Währinger Steine der Erinnerung. Wir nehmen uns vor, diesmal alle Steine zu besuchen – dafür brauchen wir dich! Wenn du schon weißt, dass du kommst (vielleicht auch mit Freund*innen), schreib mir unter magdalena.wagner@gruene.at, dann kann ich besser planen.
Am Montag, 23. November findet ab 17:00 Uhr unser Argumentationstraining, angeleitet von den Expert*innen von ZARA Training, statt. Für die Familienfeier, das Mittagessen mit Kolleg*innen, den Stammtisch im Wirtshaus – wo immer du ins politische Diskutieren kommst. Gerade wenn in solchen vertrauten Runden diskriminierende, rassistische Äußerungen fallen, kann es schwierig sein zu reagieren. Wir besprechen im Workshop verschiedene Strategien und probieren Reaktions- und Argumentationsstile aus. Begrenzte Teilnehmer*innenzahl, bitte unbedingt anmelden bei magdalena.wagner@gruene.at!
Magdalena Wagner, Bezirksrätin