kunst.fest.währing 2026: GEGEN:sätze

Fünf Tage Kunst & Kulinarik, Begegnung und gemeinsames Erleben in Währing

Das kunst.fest.währing hat auch 2026 wieder fünf Tage lang Währing zum Schauplatz für Kunst, Begegnung und gemeinsames Erleben gemacht. Unter dem Motto GEGEN:sätze lud das Festival dazu ein, Vertrautes und Ungewohntes, Widerspruch und Harmonie, Widerstand und Begegnung neu zu betrachten. Rund 30 Veranstaltungen aus Musik, Literatur, Film, Performance, Tanz, Bildender Kunst, Kulinarik und traditionellem Kulturhandwerk machten den Bezirk zur Bühne – bei freiem Eintritt. GEGEN:sätze verweist dabei nicht nur auf Kontraste, sondern auch auf die Kraft, die im Aufeinandertreffen des Unterschiedlichen entstehen kann. Der Doppelpunkt trennt und verbindet zugleich: Er steht für einen Prozess, in dem unterschiedliche Sichtweisen nebeneinanderstehen, sich reiben und miteinander ins Gespräch kommen. Die künstlerische Leitung Aurelia Staub beschrieb das Festivalmotto als einen möglichen Denkraum:

„In einer Welt, die mich aktuell aufgrund der multiplen Problemfelder und Krisen immer wieder komplett überfordert und mir den Atem raubt, erschien mir dieses Festivalmotto als ein möglicher Denkraum, um ein Programm zu entwickeln, das Räume öffnet und unterschiedlichste Menschen durch künstlerische Erlebnisse und Erfahrungen zusammenbringen kann.“ – Genau das war in diesen fünf Festivaltagen spürbar.

Ein Auftakt, der Währing zum Lieben, Tanzen und Singen brachte

Die Eröffnung am Johann-Nepomuk-Vogl-Platz war ein voller Erfolg. Unzählige Menschen tanzten gemeinsam mit Simon Mayer und Hannah Shakti Bühler bei einer FolkDanceParty. Der Platz wurde zur Tanzfläche und zeigte schon zum Auftakt, wie unmittelbar das Festival sein kann: hingehen, mittanzen, ausprobieren. Beim Buch-Rendezvous mit Petra Hartlieb wurde der Marktplatz zur Liebesoase. Buch-Speed-Dating brachte Menschen und Geschichten zusammen. Und dann brachte noch das StudioV (Das Opernstudio der Volksoper Wien) den Platz endgültig zum Beben. Mit Hits etwa aus Carmen und weiteren musikalischen Höhepunkten wurde der Johann-Nepomuk-Vogl-Platz zur fulminant-beschwingten Bühne.

Ein neues Festivalzentrum und ein Reich rund um die Semmel

Neu in diesem Jahr war das Festivalzentrum in der Semmelweisklinik, das zum Treffpunkt für Besucher:innen, Künstler:innen und Neugierige aller Art wurde.

Ein besonderer Sternmoment war die Vernissage der Ausstellung „Semmelreich“, kuratiert von Hedi Strobl. Zehn Bäckereien aus Wien und Umgebung präsentierten ihre handgeschlagenen Kaisersemmeln. Kunstobjekte und österreichische Backkultur zugleich. Rund um die Semmel trafen Kunst und Kulinarik aufeinander. Die Semmel wurde gegessen, verarbeitet, bestaunt und zum Ausgangspunkt für Begegnungen. Beim „Semmelstreich“ mit verschiedenen Aufstrichen und in der Knödelwerkstatt wurde gemeinsam gewerkt und schließlich beim Knödelfinale aus den handgemachten Semmelknödeln g’röste Knödel. Und natürlich durfte die klassische Buttersemmel nicht fehlen. Doch „Semmelreich“ war weit mehr als eine Ausstellung über ein Stück österreichischer Backkultur. Rund um die Semmel trafen unterschiedliche Menschen und möglicherweise auch unterschiedliche Publika aufeinander und kamen miteinander ins Gespräch. Genau darin lag eine weitere schöne Gemeinsamkeit: Kunst und Kulinarik, Ausstellung und gemeinsames Essen, unterschiedliche Zugänge und Menschen, die sich vielleicht sonst nicht begegnet wären.

Geschichten, die das Publikum verzauberten

Nicht zu vergessen die wunderbaren Lesungen von Hannah Häffner aus Die Riesinnen und Johanna Sebauer aus Popóm. Beide Autorinnen zogen das Publikum in ihren Bann und boten dabei nicht nur Einblicke in ihre Romane, sondern auch spannende Blicke hinter die Kulissen des Schreibens. Wie entsteht eine Romanfigur? Was steckt hinter einer Geschichte? Welche Erfahrungen, Beobachtungen und Lebenswelten fließen in einen Roman ein? So wurde Literatur ganz unmittelbar und persönlich. Die Zuhörer:innen erfuhren etwa mehr über die Hintergründe einer Romanfigur oder darüber, wie es ist, im Ländle zu leben. Die Geschichten bekamen dadurch noch eine weitere Ebene und wurden für das Publikum lebendig und greifbar. Moderiert von Petra Hartlieb bekamen die Lesungen noch einen ganz besonderen Turn.

Musik, die bewegt und zum Nachdenken anregt

Auch die Musik war ein wichtiger Gegenpol und verbindendes Element des Festivals. In der ehemaligen Waschküche der Semmelweisklinik brachte das StudioV (das junge Opernstudio der Volksoper) mit ihren Nachwuchsstars das Publikum zum Beben. Die Begeisterung zeigte sich in Standing Ovations. Nicht weniger beeindruckend war Monika Hosp mit ihrem Programm In this soft place, under your wings, I will find shelter. Gemeinsam mit Christoph Stradner am Violoncello, Luca Monti am Klavier und Albert Hosp als Erzähler und Moderator spannte sie einen musikalischen Bogen von Bach bis Previn. Die ehemalige Waschküche wurde zum Konzertsaal – und auch hier gab es am Ende endlosen Applaus. Auch Anna Grenzner (Cello) und Eugène Michelangeli (Clavichord) gestalteten ihre Konzerte zu besonderen Hörerlebnissen. Mit ihren spannenden Klängen zogen sie das Publikum in ihren Bann. Das Auditorium lauschte gebannt und ließ sich ganz auf die Musik ein.

Ein Sonntag mit Film, Musik und Bewegung

Der Sonntag begann mit „Film ab – Ton läuft!“, einer Stummfilm-Matinee mit Livemusik. Das Trio Hatz/Winkler/Klissenbauer begleitete die Charlie-Chaplin-Klassiker The Bank und The Police live. Die Mischung aus Chaplins großartiger Komik und der Live-Musik sorgte schon am Vormittag für beschwingte Stimmung. Das Publikum bedankte sich mit Standing Ovations und gleich drei Zugaben. Ein perfekter Start in den Sonntag. Danach las Matthäus Bär aus seinem Kinderbuch Drei Wasserschweine tauchen unter. Weil das Wetter so schön war, wurde kurzerhand draußen gelesen. Ein wunderbarer Festivalmoment für kleine und große Zuhörer:innen.

Und auch die gemeinsame Bewegung kam nicht zu kurz: Simon Mayers FolkDanceParty 1.0 – Workshop war beschwingt besucht. Gemeinsam tanzen, sich bewegen und Neues ausprobieren. Auch das gehörte zum kunst.fest.währing.

Hin:schauen – ganz nah an der Kunst

Die Open Studio Tour war so gut besucht wie noch nie. Sie ermöglichte einen unmittelbaren Einblick in die Arbeitsweisen ganz unterschiedlicher Künstler:innen. Ute Zaunbauer, Yoram Rosilio, Ursula Fink und Elisabeth Blum u.v.m. öffneten ihre Ateliers und gaben Einblicke in ihre künstlerische Arbeit. Nicht nur fertige Werke konnten betrachtet werden – die Besucher:innen konnten Fragen stellen, Gespräche führen und erleben, wie und wo Kunst entsteht.

Volle Häuser, volle Plätze

Wie groß das Interesse am Festival war, zeigte sich während der gesamten fünf Tage: Alle Programmpunkte waren ausgebucht. Bei der einen oder anderen Veranstaltung mussten sogar zusätzliche Bänke aufgestellt werden, um alle Besucher:innen unterzubringen.

Ob Konzert, Lesung, Film, Ausstellung, Performance oder Workshop – das Publikum war neugierig und zahlreich vertreten.

Auch an den weiteren Festivalorten war viel los: Im St. Carolusheim wurde der Film Renate präsentiert, im Café Schlemmer in der Währingerstraße sorgte die LiveJukebox Lorenz Kabas für musikalische Stimmung.

Die Semmelweisklinik blieb dabei ein zentraler Festivalort, von dem aus sich das kunst.fest.währing über verschiedene Orte in Währing ausbreitete.

GEGEN:sätze – fünf Tage voller Begegnungen

Viele kamen, um zu hören, andere wollten hin:schauen, wieder andere wollten selbst mitmachen. Und genau darin lag die besondere Kraft des Festivals: Unterschiedliches durfte nebeneinanderstehen, aufeinandertreffen und miteinander ins Gespräch kommen.

Das Publikum war eingeladen, sich auszutauschen, neue Perspektiven kennenzulernen und bei einem der vielen interaktiven Programmpunkte selbst aktiv mitzumachen.

„Wie können wir zart bleiben in Zeiten großer Extreme.“ Aurelia Staub

Kunst und Kulinarik. Musik und Film. Bewegung und Literatur. Künstler:innen und Publikum. Unterschiedliche Generationen, Interessen und Zugänge.

Fünf Tage lang wurde Währing zum Schauplatz für Begegnungen mit Kunst und mit Menschen. GEGEN:sätze war dabei nicht nur ein Motto, sondern wurde zum Prinzip des Festivals: Gegensätze sichtbar machen, sie aushalten, ihnen Raum geben und schauen, was daraus entstehen kann.

Ein wichtiger Aspekt war dabei auch die Zugänglichkeit: Die Lesungen wurden von der Gebärdensprachdolmetscherin Marietta Gravogl begleitet.

Noch mehr Festivalmomente

Wer das kunst.fest.währing 2026 noch einmal erleben möchte, kann sich durch unsere Recaps auf Instagram klicken. Dort gibt es einen tollen Einblick mit viel Bewegtbild und vielen besonderen Momenten aus den fünf Festivaltagen,

www.instagram.com/kunstfestwaehring

Schaut vorbei und lasst das Festival noch einmal auf euch wirken!

Weitere Informationen und das Festivalprogramm gibt es unter kunstfestwaehring.at.

(c) Bea Hasler