Wir arbeiten weiter – mit aller Kraft!

Bezirksvorsteherin Silvia Nossekerzählt im Interview, worauf sie den Erfolg in Währing zurückführt und was in nächster Zeit geplant ist.

Währinger Blattl: Die GRÜNEN haben bei der Wahl im letzten Jahr in Währing noch einmal an Stimmen zugelegt. Worauf führst du das zurück?

Silvia Nossek: Bei der Wahl zur Bezirksvertretung haben mehr als 43 Prozent GRÜN gewählt, nochmal um etwa 4 Prozent mehr als bei der Wahl davor. Das ist tatsächlich ein schöner Erfolg und ich habe mich sehr über dieses große Vertrauen und diesen großen Zuspruch gefreut.

Gründe dafür gibt es wohl mehrere. Allen voran ist Bezirkspolitik Lokalpolitik. Sie gestaltet das direkte Lebensumfeld, ihre Auswirkungen spürt und erlebt man ganz unmittelbar – und offensichtlich schätzen viele Menschen, was wir tun.

Dazu kommt, dass Fake News und inszenierte Empörung wenig Platz haben. Die Menschen können sich selbst vor Ort überzeugen, wie es ist – und das ist schon ein riesiger Vorteil gegenüber Politik auf anderen Ebenen. WB: Das ist nachvollziehbar, trifft aber auf alle Bezirke in Wien zu. Es erklärt noch nicht eines der besten Wahlergebnisse in ganz Wien.

SN: Wir haben ja tatsächlich sehr viel gearbeitet in den letzten Jahren, um Währing zukunftsfit und damit noch lebenswerter zu machen. Und auch wenn nicht jeder und jede mit allem einverstanden ist, so können doch viele nachvollziehen, warum wir das machen – und es sind Ziele, die offensichtlich viele Menschen teilen:

Platz für alle auf Währings Straßen, sichere Wege für Kinder und ältere Menschen, die Möglichkeit, auch ohne Auto gut unterwegs zu sein. Der Erhalt unseres Grüns und mehr Bäume in bislang grauen Grätzln. Straßen und Plätze, auf denen man gern unterwegs ist, sich mit anderen trifft oder kurz ausruht. Parkanlagen, die den Bedürfnissen von Jung und Alt, von Ruhe-Suchenden und Bewegungshungrigen entgegenkommen. Und ein gutes Miteinander – im Bezirk und darüber hinaus.

WB: Allgemein hat man das Gefühl, dass Themen wie Klimaschutz etc. nicht mehr so gefragt sind. Ist das in Währing anders?

SN: In der politischen Diskussion, in den Medien wird ja über Themen wie Klimaschutz, gesunde Ernährung, Biodiversität, Bodenversiegelung – die Liste ließe sich fortsetzen – häufig so gesprochen, als wären das „grüne“ Spezialthemen, „grüne“ Hobbys.

Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir alle diese Themen mit mehr Ernsthaftigkeit behandeln. Wenn diese Themen jedes Mal von der Agenda genommen werden, sobald der Druck der Jungen nachlässt oder die GRÜNEN nicht mehr in einer Regierung sind, dann ist das keine Niederlage der GRÜNEN. Es ist eine Niederlage für uns alle, die wir den Preis für dieses zukunftsvergessende Beharren auf dem Status Quo zahlen werden – die Ärmeren mehr als die Reichen, die Jungen mehr als die Alten.

In Währing ist es uns, glaube ich, gelungen, ein breites Bündnis für diese Verantwortung zu schaffen. Und auf Basis dieses Bündnisses den Mut für Veränderungen zu haben.

WB: „Mut und Verantwortung für Währing“ war ja dann auch dein Slogan bei der Wahl.

SN: Ja, weil ich tatsächlich glaube, dass das die Kernfrage von Politik ist: Verteidigt man mit aller Macht, derer man fähig ist, verantwortungslos und ohne jeden Mut, den Status quo – oder geht man die notwendigen Veränderungen Schritt für Schritt an, bringt Bewegung ins Gewohnte, probiert Neues aus.

WB: Die Budgets sind überall sehr knapp, auf allen Ebenen wird gespart. Wie wirken sich diese Sparmaßnamen auf Währing aus?

SN: Leider mehrfach. Ganz unmittelbar, weil die Stadt aufgrund ihrer Sparprämisse und auf Basis eines Notparagraphen das diesjährige Budget der Bezirke gekürzt hat. Und noch nicht klar ist, wie sie das im nächsten Jahr handhaben wird.

Dazu kommt, dass sich die Höhe der Bezirksmittel großteils aus zwei Einnahmequellen speisen – der Dienstgeberabgabe und der Kommunalsteuer. Es ist derzeit nicht abzusehen, wie sich die Sparmaßnahmen auf allen Ebenen auf die Unternehmen auswirken. Sollten die Auswirkungen negativ sein, dann heißt das weniger Einnahmen für die Stadt, und dann schrumpfen auch die Bezirksbudgets.

Und es gibt im Vergleich zu den vergangenen Jahren viel, viel weniger Förderunterstützung – sowohl von der Stadt als auch vom Bund. Ohne Förderungen können die Bezirke mit ihren geringen Budgets größere Projekte allerdings kaum oder nur in wesentlich kleinerem Umfang umsetzen.

WB: Findest du, dass die Sparmaßnahmen richtig gesetzt sind?

SN: Offen gesagt, nein. Das betrifft zum einen die Kürzung der Bezirksbudgets ganz allgemein. Die Bezirke hatten schon ohne diese Kürzungen zu wenig Geld für ihre vielen Erhaltungsaufgaben: Straßenbeläge, Baum-Ersatzpflanzungen, öffentliche Beleuchtung, Gebäude der Schulen und Kindergärten, um nur einige zu nennen. Auf Dauer bei der Erhaltung der Infrastruktur zu sparen, geht an die Substanz – und man kann sich in Deutschland anschauen, wohin das führt.

Dazu kommt: Die Stadt hat sich in ihrer Smart-City-Strategie und im Klimafahrplan wichtige Ziele gesetzt, um die Lebensqualität in Wien auch für die Zukunft zu sichern. Viele dieser Ziele brauchen aber Maßnahmen der Bezirke: Entsiegelung und Begrünung, mehr Zu-Fuß-Gehen und Radfahren, Klima-Ertüchtigung von Schulen und Kindergärten, Erhaltung des Baumbestands. Bei schrumpfenden Budgets und ohne Förderprogramme werden die Bezirke das nicht leisten können. Und damit hat die Stadt diese so wichtigen Zukunftsstrategien aufgegeben.

WB: Aber nicht wir in Währing, oder? Was sind die wichtigsten Projekte für die nächsten Jahre?

SN: Wir arbeiten mit aller Kraft weiter – auch wenn die Rahmenbedingungen schwieriger sind:

Da ist die Vorbereitung auf die kommenden U5-Baustellen – bei uns im Bezirk im Umfeld des Anton-Baumann-Parks, beim Arne-Karlsson-Park im 9. und beim Elterleinplatz im 17. Bezirk. Mit allen dreien müssen wir uns auseinandersetzen, denn auch die letzteren werden Auswirkungen auf die Alltagswege der Währingerinnen und Währinger haben.

Zu dieser Vorbereitung gehört die Ertüchtigung aller Gleisanlagen, damit die Öffis während der Bauzeit ungehindert fahren – was uns heuer im Frühling eine größere Gleisbaustelle rund um den Aumannplatz beschert.

Wenn diese Gleisbaustelle erledigt ist, können wir endlich auch das Thema Aumannplatz wieder aufgreifen und starten jetzt im Frühling einen partizipativen Planungsprozess für eine mögliche Neugestaltung.

Denn wir wollen auch in den kommenden Jahren Straßen und Plätze für alle nutzbarer machen, klimafreundliche Mobilität fördern und mehr Grün in graue Gegenden bringen – auch wenn der budgetäre Spielraum dafür kleiner ist.

Und wir werden alle Initiativen, die den Zusammenhalt und das Miteinander in Währing stärken, weiterführen und unterstützen – ob das unser Fairplay-Team ist oder die Coole Zone im Amtshaus, der Währinger Nachbarschaftstag oder das kunst.fest.währing. Wenn viele engagierte Institutionen gemeinsam den Info-Nachmittag für Senior*innen organisieren, wenn die Vertreter*innen der Religionsgemeinschaften sich austauschen oder die Währinger Schulleiter*innen zu einem Vernetzungstreffen kommen – all das hilft, gute Beziehungen zu bauen und Kooperationserfahrungen zu sammeln, die auch in schwierigen Situationen tragen.

WB: Wir haben im letzten Jahr so viele nette Geschichten von dir gelesen – hast du vielleicht eine neue für uns?

SN: Ich war vor Kurzem bei einer Veranstaltung und hatte beim anschließenden Buffet einige schöne Gespräche. Eine Frau kam zu mir und bedankte sich ganz besonders für die vielen positiven Veränderungen bei sich im Grätzl, dafür, wie positiv sich das auf ihre Lebensqualität auswirke. Und nachdem sie wieder und wieder aufgezählt hatte, was ihr alles Freude mache in ihrer Nachbarschaft, sagte sie nach kurzem Nachdenken: „Wissen Sie, unsere Straße war immer grau und trist. Solange ich da wohne. Und ich hätte nie gedacht, dass sich das ändern könnte. Es war so ein unglaubliches Aha-Erlebnis, wie dann plötzlich, eines Tages, Bäume gepflanzt wurden – Bäume in unserer Straße. Und seither weiß ich: Veränderung ist möglich. Das ist es, wofür ich wohl am meisten dankbar bin.“ Das war für mich eine der schönsten Rückmeldungen, die ich für unsere Arbeit bekommen habe. Denn dieses Bewusstsein und Vertrauen, dass Veränderung möglich ist, gibt uns die Zuversicht, weiterzuarbeiten.