Bezirke
Navigation:
am 6. August 2020

Spatenstich für 70 leistbare Mietwohnungen in Währing

(Web Redaktion) - Es ist ein besonderes Datum: Am 23. Juli 2020 fand auf der Pötzleinsdorfer Höhe der Spatenstich für 70 geförderte Mietwohnungen statt.

Wie lange ist es her, dass in Währing sozialer Wohnraum errichtet wurde? Man muss schon sehr weit zurückblicken, bis in die 1980er Jahre, wo u.a. der letzte Gemeindebau im Bezirk gebaut wurde. 

Die Währinger Grünen haben sich von Beginn an dafür eingesetzt, dass auf dem Gelände der ehemaligen Friedhofsgärtnerei neben dem Neustifter Friedhof sozialer Wohnbau entsteht. Das Grundstück wurde bereits im Jahr 2013 vom Wohnfonds Wien erworben. Für uns war klar: Diese Liegenschaft darf kein Spekulationsobjekt werden, hier sollen keine überteuerten freifinanzierten Eigentumswohnungen entstehen, hier setzen wir uns mit aller Kraft für eine umwelt- und umfeldverträgliche sowie eine soziale Verbauung ein.

Als es 2015 dann um die Widmungsänderung für das Grundstück ging, forderten wir daher eine Begrenzung der Gebäudehöhe auf 9 Meter, dauerhaft begrünte Flachdächer, einen Mindestabstand von 5 Metern zur Friedhofsgrenze, eine Verbauung von maximal einem Drittel der Gesamtfläche und die Festsetzung der Widmungskategorie „Förderbarer Wohnbau“. All diese Forderungen wurden berücksichtigt. 

Es gab damals auch Kritik an der Bauland-Widmung, und deswegen sei hier nochmal in Erinnerung gerufen: Das Grundstück war schon in der Vergangenheit keineswegs unverbautes Grünland. Hier waren Gewächshäuser und Folientunnel beheimatet, dazwischen Betonwege, auf denen die Gärtnerei mit ihren Geräten unterwegs war. Durch die jetzige Wohnbebauung kommt es zu keiner zusätzlichen Bodenversiegelung. Ebenfalls wichtig: Der ökologisch schützenswerte Bereich des Friedhofsareals war von der Widmungsänderung nicht betroffen. Und es war bei den herrschenden Grundstückpreisen in Währing eine der ganz seltenen Gelegenheiten, leistbare Wohnungen zu errichten.

Wie ging es 2015 weiter? Der Wohnfonds Wien lobte einen Bauträgerwettbewerb aus, es gewann ein Entwurf von Architekt Adolf Krischanitz für die gemeinnützige Baugenossenschaft EBG, in dem vier Gebäude mit Holzfassaden locker um einen grünen Innenhof positioniert werden. Das Projekt legt viel Wert auf Gemeinschaftsbildung der MieterInnenschaft, u.a. wird es in der Anlage einen Gemeinschaftsgarten geben. Die EBG ist bekannt für ihr soziales Engagement, sie arbeitet z.B. im Rahmen des Programms „Housing First“ immer wieder mit dem Neunerhaus zusammen, einer Organisation, die obdachlosen und armutsgefährdeten Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. 

Bis zum Spatenstich verging dann noch viel Zeit. Unter anderem wurde sehr genau geprüft, ob das Bauvorhaben gegen Auflagen des Wiener Naturschutzgesetzes verstößt. Das ist nun alles geklärt, es wird mit dem Bau begonnen und wenn alles nach Plan läuft, werden im Sommer 2022 die ersten MieterInnen auf der Pötzleinsdorfer Höhe einziehen. ​

Seit 100 Jahren ist das eines der großen Erfolgsrezepte Wiens: Geförderten und kommunalen Wohnbau im Sinne der sozialen Durchmischung in allen Bezirken, allen Grätzeln zu errichten. Warum das so wichtig ist? Zum Beispiel um problematische Ghetto-Bildungen, wie sie in anderen europäischen Metropolen seit Jahrzehnten bestehen, hintan zu halten. International wird Wien hier als großes Vorbild gesehen. Dass alle Einkommensschichten grundsätzlich überall in der Stadt passenden Wohnraum vorfinden und nicht an der Adresse ablesbar ist, wie viel Geld man hat, gilt nicht zuletzt als wesentliche Voraussetzung für den sozialen Frieden in einer Stadt.