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am 10. August

Wie Bäume das Klima verbessern

(Web Redaktion) - Am 8.8. fand unser Mikroklima-Spaziergang in Gersthof statt. Ein wichtiges Thema, zeigt sich doch der Klimawandel bzw. die Erhitzung in Städten besonders stark.

Während der globale Temperaturanstieg derzeit ca. 1 Grad Celsius beträgt, liegen wir in Wien bereits bei 1,8 Grad – und das wird noch mehr. Damit wird es auch häufigere, längere und intensivere Hitzewellen geben – dabei war doch die, die wir gerade eben hatten, mit etwa zwei Wochen lang täglich über 30 Grad schon wirklich heftig. Das ist vor allem ein gesundheitliches Problem: Die Sterblichkeit ist in Hitzeperioden stark erhöht, Herz-Kreislauf-Probleme nehmen zu, Konzentrationsfähigkeit und Schlaf sind gestört. Besonders betroffen sind Ältere, Säuglinge und Kleinkinder, Personen mit Vorerkrankungen – und Personen mit niedrigem Einkommen. Diese wohnen nämlich meist in schlecht gedämmten Häusern in einer Gegend mit wenig bis gar keinem Grün – und damit in den heißesten Gegenden der Stadt. Die „grünen“ Grätzln sind meist auch teurer und damit schwieriger leistbar. Die Klimakrise ist damit ein Umweltproblem, ein Gesundheitsproblem, und ein soziales Problem.

Wir machten uns also auf, die Strukturen zu entdecken, die die Stadt abkühlen. Das sind vor allem Pflanzen, Wasser, sowie unversiegelter Boden in dem Wasser versickern und Pflanzen wachsen können. ​

Unser erster Stopp war in der Alseggerstraße Ecke Ferrogasse: Dort stehen einige alte Bäume (gepflanzt in den 1940ern) die viel Schatten werfen, daneben einige junge die noch kaum kühlen. Man sieht dort eindrucksvoll wie lange ein Baum braucht um seine volle Wirkung zu entfalten – und dann wird auch klar, weshalb es uns so wichtig ist jetzt jeden Baum zu pflanzen der möglich ist. Wir werden jeden einzelnen von ihnen brauchen, mit der Klimakatastrophe die bereits da ist und sich noch verstärkt!

Die Fotos wurden an einem anderen Tag, bei ca. 27 Grad Außentemperatur aufgenommen. Man sieht deutlich dass links, wo die alten Bäume stehen, die Oberflächentemperaturen weit niedriger sind als rechts, wo die jungen Bäume stehen. (weiß wird alles dargestellt, was am oberen Rand der bzw. über die Temperaturskala hinaus liegt)​

Auf der Alseggerstraße sieht man auch, wie schwer sich Bäume in der Stadt tun, mit Hitze, Trockenheit und anderen Stressfaktoren wie Salz, verdichtete Böden, Abgase, etc. umzugehen. Vor allem brauchen sie Platz, damit Wasser versickern kann. In der Alseggerstraße sind die Bäume am verdursten (bzw. bereits verdurstet) weil ihre Baumscheiben auf gerade mal 2-4 qm verkleinert wurden, um mehr Autos abstellen zu können. Wir sanieren derzeit so viele Baumstandorte wie möglich, um den alten Bäumen – die die Stadt bereits effektiv abkühlen – das Weiterleben zu ermöglichen und um neue Bäume nachzupflanzen. In den letzten beiden Jahren haben wir hier in der Gymnasiumstraße, in der Weimarerstraße, und in der Alseggerstraße Maßnahmen gesetzt. 

Die Alseggerstraße ist eine angenehme Straße zum unterwegs sein im Sommer, insbesondere im Bereich rund um den Bischof-Faber-Platz: Viele alte Bäume, beim offenen Platz weht ein angenehmer Wind. In der Hockegasse und Witthauergasse hingegen, wo kein einziger Baum steht (wir aber trotzdem im Häuserschatten unterwegs waren) konnte man am eigenen Körper fühlen dass die Straße heißer ist als vorher bei den Bäumen. Die TeilnehmerInnen machten auch darauf aufmerksam, dass man die Wärme-Abstrahlung der Gebäude​ spürt. 

Dort haben wir dann noch einige kleinere Kühlungsfaktoren untersucht: Denn auch unversiegelte Flächen mit Vegetation oder Fassadenbegrünungen tragen zur Abkühlung bei, etwa weil sie die Fassaden- oder Bodenfläche beschatten und diese dann nicht so viel Wärme abgeben. Außerdem verdunsten alle Pflanzen über ihre Blätter Wasser, und auch diese kühlen die Umgebung: Die Kühlleistung eines Baumes etwa besteht zu ca. 80% aus dem Schattenwurf, die restlichen 20% verdanken wir der Verdunstung. ​

Da es schon seit Tagen nicht mehr geregnet hatte, sind in diesem Fall die Fugen gleich warm – egal ob versiegelt oder unversiegelt – weil das Wasser längst verdunstet ist. Deutlich sichtbar ist aber, dass es am kühlsten dort ist wo Pflanzen wachsen.

Nach dieser Entdeckung haben wir uns dann noch länger mit der Wärmebildkamera gespielt und alle möglichen Oberflächen untersucht: Metall heizt sich sehr stark auf, gedämmte Fassaden sind kühler als ungedämmte, und die Gärungsprozesse die in einer Biotonne stattfinden kann man auch gut abbilden ;-)

Zum Abschluss haben wir es uns am Bischof-Faber-Platz gemütlich gemacht, und noch über die eigenen Strategien im Umgang mit der Hitze gesprochen. Um die Hitze nicht in die eigene Wohnung zu lassen, ist es wichtig die Fenster untertags geschlossen zu halten und nur nachts ausdauernd zu lüften. Die Vorhänge oder Jalousien sollten bei Sonneneinstrahlung immer zu sein – am allerbesten wirken Außenjalousien. Wem der Luftzug fehlt, ist ein Ventilator zu empfehlen. Wichtig ist natürlich, viel zu trinken – und sich abzukühlen: Kühles Wasser über Unterarme und Handgelenk laufen lassen, ein Fußbad mit kühlem bis lauwarmem Wasser, ein nasser Fetzen auf die Stirn, Wasser über den Kopf leeren, oder einen nassen Hut aufsetzen – die Strategien sind vielfältig. Wer kann, ändert am besten auch den Tagesrhythmus, verlegt z.B. die Arbeitszeiten auf den frühen Morgen.

Das Fazit der TeilnehmerInnen war sehr positiv, es gab im Laufe des Spaziergangs so einige Aha-Effekte. Wir werden diesen Spaziergang vermutlich wiederholen, auch in unterschiedlichen Bezirksteilen – wer darüber informiert werden will, abonniert unseren Newsletter!​​ 

Weitere Infos:

Strategieplan der Stadt Wien​​ zur Bekämpfung von urbanen Hitzeinseln, mit vielen Abkühlungsmaßnahmen und Hintergrundinformationen.

Währinger Blattl (1/2018)​​ mit vier Seiten zu Bäumen in der Stadt.