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am 30. April 2019

Ein neuer Baum in Währing – ein umfangreiches Zusammenspiel

(Web Redaktion) - Hinter jedem neuen Baum steckt fast immer ein unerwartet umfangreiches Projekt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Eine kleine Chronologie anhand der Bäume in der Währinger Straße.

​Mehr Grün in den dicht verbauten Bereichen in Währing ist einer der am häufigsten genannten Wünsche und gleichzeitig eine der wichtigsten Maßnahmen, um auf die rasant fortschreitende Klimakrise zu reagieren. Jeder zusätzliche Baum hilft durch seine Verdunstung und den erzeugten Schatten, eine kleinräumige Verbesserung zu erzielen; abgesehen von der Aufwertung des öffentlichen Raumes allein schon durch seine physische Präsenz. 

Ideen für neue Bäume kommen einerseits auf direkten Wunsch von AnrainerInnen oder sie entstehen beim Planen von notwendigen Sanierungen oder Einbauten in Straßen. Die Zeit von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Umsetzung beträgt bei einfachen Standorten ein halbes Jahr. Bei komplizierteren Standorten verdoppelt sich die notwendige Planungs- und Abstimmungszeit recht schnell. ​

Die Bäume in der Währinger Straße 

Im Zuge des Umbaus der Währinger Straße hat sich durch den notwendigen Austausch der Wasserleitung die Möglichkeit ergeben, auch Bäume zu pflanzen. Denn der Rohrtausch konnte dafür genutzt werden, die Wasserleitung im Zuge der Neuverlegung gleich mit einer abschnittsweisen sogenannten Schutzverrohrung (ein 5 – 8m langes Überschubrohr) zu versehen, damit zumindest über der neuen Wasserleitung Bäume gepflanzt werden können.

Der Platz für die Bäume ergab sich unter anderem durch die neuesten Vorschriften für die Einhaltung der ungestörten Sichtbeziehungen in den Kreuzungsbereichen (aus einer Seitenstraße ausbiegende Fahrzeuge müssen den von links kommenden Querverkehr schon in 40m Entfernung sehen können). Diese Sichtbeziehungen sorgen für relativ großzügige Bereiche in denen Möblierung oder abgestellte Fahrzeuge erlaubt sind. In Abstimmung mit der MA46 – Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten können diese Flächen aber für einzelne Bäume, mit ihrem Pflanzbereich (Baumscheibe), genutzt werden. Die, aufgrund des Wasserleitungstausches nun möglichen Standorte für neue Bäume, wurden mit der MA 42 – Wiener Stadtgärten diskutiert. 

Dabei galt es, die grundsätzlichen Vorgaben der Wiener Stadtgärten und des Projektierungshandbuchs öffentlicher Raum der MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung einzuhalten. Diese Vorgaben sehen im Wesentlichen vor, dass jeder Baumstandort eine offene Pflanzgrube von mindestens 9 m2 und einen durchwurzelungsfähigen Untergrund von mindestens 12 m3 aufweist. Weiters soll die Baumachse 4,5 m Abstand zu Fassaden haben (bei entsprechender Wahl der Baumart kann dieser Abstand in begründeten Ausnahme- fällen bis auf 3,5 m reduziert werden). 

Zusätzlich hat der Umstand, dass in den Wintermonaten oft zu sorglos mit Auftaumitteln umgegangen wird, dazu geführt, dass alle neuen Baumstandorte mindestens 3 cm höher als die angrenzenden Gehsteige mit eigenen Randsteinen eingefasst werden müssen, da sonst die eingeschwemmten Salze die Böden vergiften. Diese Unterbrechung der Zufuhr von möglichem Niederschlagswasser von den angrenzenden Flächen her hat zur Folge, dass eine künstliche Bewässerung eingebaut werden muss, damit die Bäume die zunehmend heißeren Sommer und gleichzeitig abnehmenden Niederschlagsmengen überleben können. ​

Alsegger Straße
Weitlofgasse
Weimarer Straße

​​Wichtig bei diesen Baumstandorten ist auch, dass die Pflanzgruben mit den richtigen Substraten aufgefüllt werden. Die Wiener Stadtgärten haben dafür, sowohl für den Unterbau, als auch für den Oberbau eigene Wiener Baumsubstrate entwickelt. 

Mit dieser prinzipiellen Abstimmung und der ersten Grobkostenschätzung wird von der MA 28 – Straßenverwaltung und Straßenbau eine sogenannte Projekt- und Einbautenbesprechung angesetzt. Diese Besprechung dient dazu, dass alle Magistratsdienststellen die von den Bauarbeiten betroffen sein könnten, alle Unternehmen (öffentliche und private), deren Leitungen möglicherweise im Untergrund oder darüber verlaufen, die Wiener Linien, die Polizei, die Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer und der Bezirk das Projekt kennenlernen und allfällige Bedenken bzw. Änderungsvorschläge vor- bzw. einbringen können. 

Nach einer positiv verlaufenden Projekt- und Einbautenbesprechung braucht es zur Finanzierung je nach benötigter Summe die Zustimmung der Bezirksvorsteherin oder des Finanzausschusses der Bezirksvertretung. Dann wird die Ausführungsplanung abgeschlossen, und die Arbeiten werden ausgeschrieben. Danach gibt es dann noch eine sogenannten Ortsverhandlung, bei der Baustelleneinrichtung und -logistik verhandelt werden. 

In Anbetracht der vielen einschränkenden Vorgaben und Abstimmungsbesprechungen, die notwendig sind, um allen Anforderungen weitestgehend gerecht zu werden, sind 39 neue Bäume und 83 sanierte, bestehende Baumscheiben in den letzten drei Jahren durchaus beachtlich. ​

Typischer Querschnitt eines neuen Baumstandortes 

Quelle: Masterarbeit Bettina Kos, B.Sc 2017: Projekt der Stadt Wien – SAVE: Substratanalyse und zukunftsträchtige Straßenbäume 

In dieser Skizze fehlt noch, dass möglichst alle Baumscheiben mit einer sogenannten Staudenmischung – das sind ca. 60 – 70 cm hohe Gräser – auszustatten sind. Dann müssen alle Baumscheiben mit einem sogenannten Einfassungszaun, der aus einem aufgeständerten Bandstahl besteht, eingefasst werden.