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am 3. Mai 2020

„Sie haben unser Währing wachgeküsst“

- Es ist ihr altes, geliebtes Währing, in das sie zurückgekommen sind – und doch ist es ganz anders. Lebendiger fühlt sich dieses Währing an, bunter und vielfältiger. Jetzt wissen sie, was für einen Unterschied Bezirkspolitik machen kann.

Vor mehr als vier Jahren, im Spätherbst 2015, haben Peter und Ana Währing verlassen. Ana hatte ein tolles Angebot, für ein Projekt nach Hamburg zu gehen. Vor allem Peter ist der Umzug nicht leicht gefallen, wohnte er doch sein ganzes bisheriges Leben im Bezirk. Und auch Ana hatte Währing in der Zeit seit ihrem Zusammenziehen schon sehr lieb gewonnen. Aber es war ja nicht für immer. Sie packten die wichtigsten Sachen, vermieteten ihre Wohnung und brachen gemeinsam mit ihrer gerade ein Jahr alten Tochter Ella Richtung Hamburg auf.

Kurz vor ihrer Übersiedlung waren bei der Bezirkswahl 2015 die Grünen erstmals stimmenstärkste Partei geworden, und Währing bekam mit Silvia Nossek eine grüne Bezirksvorsteherin. Als Grün-WählerInnen freuten sie sich, was das genau bedeutete, konnten sie allerdings nicht so richtig einschätzen – war ihnen doch bis dahin Bezirkspolitik nicht so wirklich aufgefallen.

Die Zeit in Hamburg verging schnell. Ana war beruflich sehr gefordert, Peter damit eingedeckt, die Betreuung von Ella und seine Arbeit als Texter irgendwie unter einen Hut zu bringen. Und ehe sie sich’s versahen, war Anas Projekt abgeschlossen – und nachdem auch Ellas Einschulung näher rückte, war die Zeit gekommen, nach Wien und Währing zurückzukehren.

Ein bisschen gespannt waren sie schon, wie sie „ihren Bezirk“ vorfinden würden – hatten doch ihre FreundInnen und NachbarInnen immer wieder davon erzählt, was sich alles zum Positiven verändert habe. Und so machen sie sich gleich nach ihrer Rückkehr letzten Herbst daran, Währing neu zu entdecken.

Was ihnen gleich als erstes auffällt: so viel mehr Platz auf den Straßen. Die völlig zugeparkten Straßen vom Gürtel bis weit nach Gersthof hinein in Erinnerung, haben sie jetzt das Gefühl, dass der Bezirk endlich wieder Luft zum Atmen hat.

Anas Freundin, die gerade das zweite Kind bekommen hat, schwärmt beim gemeinsamen Spaziergang: So viel einfacher sei es jetzt, mit dem Kinderwagen unterwegs zu sein – keine parkenden Autos mehr auf den Gehsteigen, keine zugeparkten Kreuzungsbereiche und vor allem viel weniger Schrägparkordnungen, die das Durchkommen extrem mühsam gemacht haben. Und dass es jetzt so viel mehr Bänke gibt, zum kurzen Hinsetzen und Ausrasten, hat sie in der Schwangerschaft wirklich schätzen gelernt.

Das ist auch Ana kürzlich mit ihrer betagten Tante aufgefallen: Mit ihrem Rollator ist die Tante eigentlich recht gut unterwegs – und trotzdem war es früher ein Problem, den Weg von ihrer Wohnung in den nahen Schubertpark zu schaffen. Jetzt machen sie einfach Rast bei den Bänken in der Weimarer Straße. Und das letzte Stück zum Park, dort, wo die Tante früher mit dem Rollator allein kaum durchgekommen ist, können sie jetzt gemütlich plaudernd nebeneinander gehen.

Peter und Ana selbst sind meist mit dem Fahrrad unterwegs, und auch das ist um vieles einfacher geworden. Allein, dass die meisten Einbahnen mittlerweile in beide Richtungen befahrbar sind, erspart im Alltag viele Umwege und macht auch das Ausweichen auf weniger befahrene Straßenzüge einfacher.

Aber nicht nur mehr Platz gibt es – es ist auch viel ruhiger und sicherer geworden auf den Straßen. Peters Vater hatte ihnen schon nach Hamburg gemeldet, wie sehr er sich geärgert hatte über die Ausweitung von Tempo 30 und den Strafzettel, den er in der Gentzgasse ausgefasst hatte. Peters Mutter hingegen ist recht froh über die Temporeduktion – fühlt sie sich doch jetzt um einiges sicherer auf ihrem Weg zum Einkaufen und zum Arzt.

Besonders haben sich Peter und Ana bei der Anmeldung Ellas in der Volksschule in der Schulgasse gefreut. Sie können sich gar nicht mehr erinnern, wie es früher dort ausgesehen hat – aber den jetzigen Schulvorplatz, und dass er autofrei ist, finden sie großartig. Und mit den vielen Schulweg-Verbesserungen in der Umgebung werden sie ihre Tochter wohl guten Gewissens bald alleine in die Schule gehen lassen.

Was ihnen auch sofort nach ihrer Rückkehr aufgefallen ist: Es gibt so viel mehr Bäume im Bezirk. Vor allem an Stellen, wo es bisher so gar kein Grün gegeben hat. Irgendwann haben sie angefangen, jeden Baum laut willkommen zu heißen und Ella zu erzählen, dass es den noch nicht gab, wie sie auf die Welt gekommen ist: in der Währinger Straße, in Gentzgasse, Weimarer Straße und Gymnasiumstraße, in der Weitlofgasse, in der Theresiengasse.

Immer wieder stoßen sie auf Veränderungen, wo sie spontan denken: „Schön, dass das endlich passiert ist!“ Ob es die Fußgängerampeln bei der Kreuzung Martinstraße – Währinger Straße sind, das neue WC am Kutschkermarkt oder die Querungshilfe vom PensionistInnenwohnheim zum Türkenschanzpark. Ana freut sich über die kürzeren Wartezeiten bei den Ampeln am Weg von der Gentzgasse zum Kutschkermarkt, Peter ist ganz begeistert über die Sanierung des Fußballplatzes im Türkenschanzpark, der schon in seiner Kindheit eine unzumutbare Staub- bzw. Gatsch-Wüste war.

Und beide finden es sehr toll, dass am Johann-Nepomuk- Vogl-Platz endlich das WC aus der Mitte weg versetzt wird und der Platz eine eigene Straßenbahn-Haltestelle bekommt. Genau der Johann-Nepomuk-Vogl-Platz, den sie ja ein bisschen tot in Erinnerung hatten. Und der sich, nach ihrer Rückkehr, plötzlich als sehr lebendiger Ort entpuppt. Wie Währing insgesamt viel lebendiger geworden ist. Wie viele andere Lokale hat jetzt auch ihr Lieblingseisgeschäft auf der Währinger Straße einen Schanigarten.

Und es gibt jede Menge neuer Lokale wie das Café Trabant, die Wilde Ehe oder das Café Nachbarin. Da gibt es plötzlich ein Vorstadtkino im Café Schmid-Hansl, Jazz-Konzerte im Café Mocca und ein Kulturprogramm in der Pfarre Pötzleinsdorf. Besonders gespannt sind sie aufs Kunst. Fest.Währing – haben doch ihre Freunde in den letzten Jahren immer wieder begeistert davon erzählt. Sie hatten sich schon sehr darauf gefreut und hoffen, dass die Corona-Krise bis zum Herbst so weit abgeklungen ist, dass sie es erstmals live erleben können.​

Peter meinte vor kurzem zu einem Freund, so viel wie in diesen letzten Jahren hätte sich sein ganzes Leben davor in Währing nicht getan. Und sie haben das Gefühl, noch gar nicht alles mitbekommen zu haben:

Ihre Nachbarin ist in der Agenda Währing engagiert – irgendetwas mit nachhaltiger Bezirksentwicklung. Sie haben schon ausgemacht, dass sie ihnen bei nächster Gelegenheit einmal erzählen wird, was das genau ist. Ein Projekt für Verbesserungen am Gersthofer Platzl hat fürs erste keine Mehrheit gefunden – auch da möchten sie herausfinden, was geplant war und warum es aufgeschoben wurde, finden sie doch beide, dass das Platzl Verbesserungen dringend nötig hätte. Sie haben gehört, dass der 42A in Zukunft übers Gersthofer Platzl fahren soll – was für eine Erleichterung, wenn sie im Sommer ins Schafbergbad fahren –, dass weitere Baumstandorte geplant sind und im Währinger Park eine neue WC-Anlage kommt.

Es ist ihr altes, geliebtes Währing, in das sie zurückgekommen sind – und doch ist es ganz anders. Lebendiger fühlt sich dieses Währing an, bunter und vielfältiger. Jetzt wissen sie, was für einen Unterschied Bezirkspolitik machen kann. Bei der bevorstehenden Wahl wollen sie nicht nur wieder Grün wählen, nein, sie haben vor, sich dieses Mal auch aktiv dafür zu engagieren, dass die Grünen wieder gewinnen. Denn es tut Währing einfach gut.​