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am 13. Mai

Kennen Sie den Gerda-Lerner-Park?

(Web Redaktion) - Die Parkanlage in der Hockegasse wurde mit Beteiligung der AnrainerInnen neu gestaltet und heißt jetzt Gerda-Lerner-Park.

Kaum ist der letzte Handgriff getan, schon sieht es aus, als wäre immer schon alles so und gut gewesen. Von den Mühen der Ebene keine Spur mehr. 

Aber der Reihe nach: Noch vor zwei Jahren waren dem sogenannten Hockepark die Strapazen und Wunden mehr als deutlich anzusehen, die ihm bei der Errichtung der neuen Wohnhausanlage an seiner Südseite zugefügt worden waren. Bei Regen ein durchgängiges Schlammrinnsal, unbeleuchtet und im Winter unbetreut. Trotz dieses oft ungastlichen Auftritts war er viel genutzt, als Freifläche für Kindergarten und Hort, als ruhiger und sicherer Schulweg, als Fußweg-Verbindung von Pötzleinsdorf nach Gersthof. Mit der vielfältigen Nutzung kamen naturgemäß vielfältige Forderungen nach einer Verbesserung der wahrlich unzumutbaren Situation. 

Am Anfang des Prozesses zur Neugestaltung standen grundsätzliche Besprechungen mit der Planungsabteilung der MA 42 – Wiener Stadtgärten und die Planung der BürgerInnenbeteiligung. Das Beteiligungsverfahren sollte folgende Interessen einbinden: AnrainerInnen, ParknutzerInnen – jene vor Ort, aber auch die Institutionen, die den Park als Freiraum nutzen (Kindergarten, Hort, Schule) und die Bedeutung des Parks als wichtige Fußweg-Verbindung. In einem ersten Schritt führte das Team der Parkbetreuung vor Ort Interviews mit NutzerInnen und sammelte deren Wünsche und Ideen. Aus diesem Material und der Anforderung nach sicherer Durchquerung erstellte die MA 42 einen Vorentwurf. ​

Danach gab es zwei BürgerInnenveranstaltungen in der Volksschule Scheibenbergstraße. Zu diesen zwei Abenden wurden alle AnrainerInnen eingeladen und konnten dort mit den PlanerInnen, der Bezirksvorsteherin, BezirkspolitikerInnen und der Parkbetreuung die Pläne und Vorschläge diskutieren. 

Den größten Gesprächsbedarf gab es bei den Themen Hunde im Park (Kleinkinderbereich, Sandkiste) und dem Wunsch, die Parkanlage mit dem Fahrrad durchqueren zu können – letzteres vor allem für nicht so geübte RadfahrerInnen und Familien mit Kindern eine gute Möglichkeit, der ungemütlichen Gersthofer Straße auszuweichen. Der Kompromiss die Hunde betreffend sieht so aus, dass Hunde auf den befestigten Wegen an der Leine durchgeführt werden dürfen. Was das Radfahren anlangt: Fahrräder müssen im Bereich des Parks geschoben werden. 

Mit dem Abschluss des Beteiligungsverfahrens und der Fertigstellung der Ausführungspläne konnte erfreulicherweise in mehreren Gesprächsrunden auch eine Einigung mit at home über die Kostenteilung erzielt werden – jenem Bauträger, der den Neubau neben dem Hockepark errichtet hatte. Er hat letztendlich die Kosten für die Wiederherstellung übernommen, der Bezirk finanzierte die neue Beleuchtung und den vielfach gewünschten neuen Trinkbrunnen. 

Seit Ende November ist der Park nun fertig. Es gibt einen Kinderspielplatz mit dem heiß ersehnten großen Klettergerüst, einen Trinkbrunnen für den Durst an heißen Sommertagen, ausreichend Bänke, eine Sandkiste und viel mehr Grün. Und es gibt jetzt schon viele positive Rückmeldungen. 

Nun noch zur Eingangsfrage: Die Parkanlage in der Hockgasse hatte bisher keinen offiziellen Namen. Die Bezirksvertretung hat beschlossen, sie im Zuge der Neugestaltung offiziell zu benennen – und zwar nach Gerda Lerner (1920-2013). 

Die feierliche Eröffnung und Benennung als „Gerda-Lerner-Park“ erfolgte am 14. Mai 2018 mit Bezirksvorsteherin Silvia Nossek, den Spontansirenen und vielen interessierten BesucherInnen. ​

Gerda Lerner war Jüdin und Antifaschistin. 1938 musste sie aus Wien in die USA emigrieren. Sie war die erste Historikerin, die über ein frauengeschichtliches Thema promovierte. 1966 wurde sie Mitgründerin der National Organization for Women, der heute größten feministischen Organisation in den USA. Ihre Studien „Black Women in White America“ und „The Female Experience“ erschlossen wichtige Quellen zur Frauengeschichte. Es folgten „The Creation of Patriarchy” und „The Creation of Feminist Consciousness“. Sie etablierte das erste Masterprogramm in Frauengeschichte und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und spät aber doch auch ein Ehrendoktorat der Universität Wien. ​