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am 17. Dezember 2017

Die Straße gehört ALLEN!

(Web Redaktion) - Wenn wir eine Politik für alle Menschen in Währing machen wollen, dann wird es zumeist nicht ohne Umverteilung von Platz gehen – weg von der Abstellmöglichkeit für Autos hin zu anderen Funktionen.

Der öffentliche Straßenraum hat vielfache Funktionen zu erfüllen: Er ist der Raum, in dem Menschen unterwegs von A nach B sind, er ist Treffpunkt und Aufenthaltsraum, er ist, vor allem im urbanen Gebiet, Raum für Geschäftsleben, Märkte und Gastronomie. Und er ist, zusätzlich zu Garagen und privaten Abstellplätzen, auch jener Raum, in dem Autos abgestellt werden.

Der Nutzungsdruck auf den öffentlichen Straßenraum in der Stadt ist daher hoch und es gibt klarerweise Interessenkonflikte zwischen diesen Funktionen. Wie Politik mit diesen Interessenkonflikten umgeht, hängt von ihrer Zielsetzung ab. In den gut 20 Jahren vor 2015 war das oberste Ziel der Währinger Bezirkspolitik, möglichst viele Autos im Straßenraum unterzubringen. Jeder freie Quadratmeter wurde als Abstellmöglichkeit requiriert: Einbahnen wurden eingerichtet, um Schrägparkordnungen unterzubringen, Gehsteige wurden angerampt und Autos darauf abgestellt, Grünflächen zubetoniert und zu Parkplätzen gemacht.

Mit dem Wechsel zu einer grünen Bezirksvorstehung haben wir diese einseitige Zielsetzung verändert und setzen nun Maßnahmen mit folgenden Zielen:

1. Mobilität für alle ​

Es gibt zwei Bevölkerungsgruppen, die überdurchschnittlich viel zu Fuß unterwegs sind: erstens Kinder und zweitens Frauen über 60. Diese Gruppen haben in der Politik wenig Stimme – und gleichzeitig sind gerade für diese Gruppen sichere und attraktive Zu-Fuß-Verbindungen mit ausreichend Aufenthaltsqualität und Rastmöglichkeiten unbedingt notwendig, um selbstständig mobil zu sein.

Das heißt, wir schauen darauf, dass  die Gehsteige breit und auch mit Kinderwagen, Rollator, Rollstuhl oder Einkaufstrolly bequem zu benutzen sind. Wir bemühen uns um kürzere Querungen durch vorgezogene Gehsteige, um bessere Sichtbeziehungen und die Einhaltung der gesetzlichen Halteverbote vor Zebrastreifen und in Kreuzungsbereichen.

2. Klimaschutz

Die wichtigste Maßnahme für den Klimaschutz in der Stadt: Dass wir alle gemeinsam weniger Auto fahren und öfter zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichem Verkehr unterwegs sind. Diesen umweltfreundlichen Verkehr wollen wir deshalb fördern – und da sind in Wien vor allem das Zu-Fuß-Gehen und das Radfahren jene Mobilitätsarten, wo wir noch gut zulegen können.

Dazu kommt die Sanierung von Baumstandorten, damit Währing auch in Zukunft so grün ist, wie wir das alle schätzen. Und wir brauchen neue Baumpflanzungen, um das Mikroklima und damit das Zu-Fuß-Unterwegs-Sein auch in zukünftigen Sommern erträglich zu halten.

3. Förderung der nahversorgenden Wirtschaft 

Wenn wir wollen, dass weniger Auto gefahren wird, dann brauchen die Menschen gute Geschäfte, einen attraktiven Markt oder einen netten Schanigarten.

Planung mit Augenmaß

​Diese Zielsetzungen stehen im Vordergrund, danach wird geplant. Wie sich das jeweils auf die Möglichkeit auswirkt, Autos abzustellen, stellt sich im Zuge der Planung heraus. Und wir bemühen uns, dabei mit Augenmaß vorzugehen: 

In der Gymnasiumstraße hätte sich an einer Stelle die Planung den Mehrzweckstreifen zum Radfahren breiter gewünscht – um dort weiterhin eine Parkspur zu haben, ist er ein bisschen schmäler ausgefallen. Im Sackgassenstück der Weimarer Straße ist nach mehreren Gesprächen der frei zu haltende Wendebereich wesentlich kleiner geworden, als ursprünglich von der Behörde gewünscht. Und in der Weimarer Straße zwischen Gentzgasse und Haizingergasse gibt es durch die Verlegung der Parkspur runter vom Grünstreifen auf die Fahrbahn jetzt sogar mehr Abstellmöglichkeiten für Autos als vorher.

Bei allem Augenmaß ist aber klar: Wenn man die zuerst genannten Zielsetzungen ernst nimmt – Mobilität für alle, Klimaschutz und Klima-Anpassung, Förderung der nahversorgenden Wirtschaft – dann wird es, bei der Ausgangssituation, die wir in Währing haben, zumeist nicht ohne Umverteilung von Platz – weg von der Abstellmöglichkeit für Autos hin zu den anderen Funktionen – gehen.

Wenn einem die Abstellmöglichkeit für Autos wichtiger ist, als sichere Schulwege, Rastmöglichkeiten für ältere Menschen oder die Reduktion des CO2-Aufkommens, dann sollte man das sagen. Zu sagen, wir wollen das alles, aber „ohne Stellplatzverlust“ – das geht sich schlicht nicht aus.

Silvia Nossek


WERDEN SIE GRÜNE BOTSCHAFTERIN FÜR WÄHRING​​!