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am 26. August

Das Kreuzgassenviertel lebt auf

(Web Redaktion) - Das Kreuzgassenviertel ist ein Bezirksteil mit viel Potential und hoch motivierten BewohnerInnen.

Es braucht nicht viel Fantasie und kein spezielles Fachwissen, um zu erkennen, dass im Kreuzgassenviertel jahrzehntelang nichts passiert ist. Es gibt einen unglaublichen Nachholbedarf und seitens der BewohnerInnen den großen Wunsch, dass endlich etwas vorangebracht wird. 

Der Johann-Nepomuk- Vogl-Platz 

Die Gebietsbetreuung hat 2016 im Rahmen ihres KIOSK-Beteiligungsprojektes zwei Monate lang vor Ort Ideen und Vorschläge rund um den Johann-Nepomuk-Vogl-Platz gesammelt. Weit über 350 Vorschläge und Wünsche sind bei den rund 20 Veranstaltungen zusammengekommen. In der Vielfalt der Vorschläge ist vorrangig das Ziel einer Attraktivierung des Johann-Nepomuk-Vogl-Platzes und seines Umfelds erkennbar, und ein Schwerpunkt lautet: mehr Grün im öffentlichen Raum. 

Für den Johann-Nepomuk-Vogl-Platz ist geplant aus den eingegangenen Ideen unter den Rahmenbedingungen, die der Ort in seiner vielfältigen Nutzung mit sich bringt, eine Grob-Planung (Studie) zu erstellen. Sie wird als Grundlage für erste Umsetzungsschritte sowie Diskussionen mit den Betroffenen und entsprechenden Magistratsabteilungen dienen. Ein großes Umgestaltungshandikap ist die seiner- zeit mitten auf den Platz gebaute öffentliche Toilette. Dadurch werden fast alle wünschenswerten und sinnvollen Verbesserungsmaßnahmen und Nutzungsmöglichkeiten im Zentrum des Platzes äußerst erschwert bzw. blockiert. Eine Verlegung wäre im höchsten Maße erstrebenswert, macht aber einen finanziellen Kraftakt erforderlich. 

Genauso wichtig wie die räumliche Gestaltung sind die Rahmenbedingungen, die die geplante neue Wiener Marktordnung bieten soll. Wir hoffen – und werden uns entsprechend einbringen – dass diese differenziert genug ist, um lokalen Besonderheiten und Bedürfnissen gerecht zu werden bzw. Spielräume zu eröffnen. ​

Straßenbahnblockaden aufgelöst 

Ein weiterer Punkt entlang der Kreuzgasse waren die vielen Blockaden der Straßenbahnen. Einer dieser Hotspots, der Abschnitt zwischen Klostergasse und Lacknergasse, wurde nach Einführung der Parkraumbewirtschaftung mit einem beidseitigen Halte- und Parkverbot entschärft. Wir wollten dann den so gewonnenen Raum als Grünraum gestalten. Damit wäre die freie Fahrt für die Straßenbahnen sichergestellt und könnten gleichzeitig Schritte in Richtung Klimaanpassung der Stadt gesetzt werden. 

Was aus unserer Sicht folgerichtig gedacht war, stellte sich in der Praxis als wahrer Hürdenlauf heraus: 

Bäume? – Gehen nicht. Zu wenig Abstand zu den Fassaden, zu wenig Abstand zur Straßenbahn. Staudenbeete, d.h. pflege- leichte Blumeninseln? – Die zuständige Magistratsabteilung verlangt mindestens 25 m2 Fläche und eine Mindestbreite von zwei Metern. Geht nicht. Die Breite für das Beet ist nicht vorhanden. Länger, um die Mindestfläche zu erreichen, dürfen wir nicht bauen, weil die Wiener Linien maximal 10 Meter zulassen. Außerdem soll das Pflanzenbeet eine Bandstahl-Einfassung haben, die mindestens 60 cm vom Straßenrand entfernt sein muss. Dann bliebe aber nichts mehr vom Staudenbeet übrig ... 

Eine Pflasterung, dort wo jetzt die alte Parkspur ist, mit nicht geschlossenen Fugen? Äußerst problematisch laut den Fachabteilungen der Stadt, wegen der winterlichen Betreuung durch die Hauseigentümer (es musste erst rechtlich geklärt werden, was der Belagswechsel bedeutet: Endet hier der Gehsteig und ist die MA 48 – Straßenreinigung für den Rest zuständig oder doch die Hauseigentümer). 

Möglichkeiten, dass sich ältere Menschen kurz ausruhen und ihre Einkaufstasche abstellen? Ja, aber: Die Füße der Nutzer- Innen dürfen weder in Richtung Straße noch in Richtung Gehsteig pendeln, zur Straße muss es eine Abgrenzung geben ... Die „Straßenmöbel“, die das alles können, müssen erst erfunden werden. ​

Fazit: In vielen Gesprächsrunden haben wir uns mit den Wiener Linien geeinigt, dass die Pflanzbeete 12 m lang sein dürfen und auch nur 30 cm vom Fahrbahnrand abgerückt werden müssen. Wir erreichen zwar nicht volle 25 m2 je Pflanzbeet, aber fast. Für die Pflanzenmischungen (sie sollen Nahrung für Wildbienen und unter Um- ständen auch Schmetterlinge bieten) gab es eine Besprechung mit allen Projektbeteiligten, der Umweltbehörde und externen Planungsexperten. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Im Sinne des Stadtgartenamtes kommt wahrscheinlich eine automatische Bewässerung, auch wenn die Expertinnen sagen, es ginge auch ohne ... Die Rechtsauskunft hat ergeben, dass jetzt klar ist, wo der Belagswechsel stattfinden kann und die bisherige Regelung der winterlichen Betreuung unverändert bleibt. ​​

Projekt Vinzenzgasse – eine Chance für das Kreuzgassenviertel 

Im vergangenen Jahr hat die Erzdiözese das leerstehende ehemalige „Haus der Barmherzigkeit“ der Caritas übertragen, die dort in einem Neubau ihre Zentrale und einige ihrer Einrichtungen unterbringen will. 

Die Übernahme des ehemaligen „Hauses der Barmherzigkeit“ durch die Caritas ist eine große Chance für das ganze Kreuzgassenviertel. Hier entsteht ein vielfältiges Kompetenzzentrum mit Schwerpunkt im sozialen Bereich. Zukünftig werden mehrere hundert MitarbeiterInnen für Nachfrage und Belebung im gesamten Umfeld der Kreuzgasse und des Johann-Nepomuk-Vogl-Marktes sorgen. 

Das seit zwölf Jahren leerstehende und mittlerweile völlig desolate Gebäude des ehemaligen „Hauses der Barmherzigkeit“ wird durch einen zeitgemäßen Neubau ersetzt werden. Das neue Gebäude wird offen sein und mit seiner Umgebung in Kontakt treten. Auf Wunsch des Bezirks entstehen im Erdgeschoss Bereiche, die auch von Dritten genutzt werden können (Cafeteria, Veranstaltungssaal, etc.). So wird nach Jahrzehnten an Stelle des ab- weisenden Blocks ein lebendiger Erdgeschossbereich entstehen. Dem Vernehmen nach könnte auch ein weiterer Wunsch des Bezirks aufgegriffen werden und Erdgeschoss und 1. Obergeschoss zur Kreuzgasse hin um ein paar Meter zurückgesetzt werden, damit hier neuer, öffentlich nutzbarer Raum entsteht. 

Das Projekt ist noch in der Vorentwurfsphase, in der Nutzungsmöglichkeiten und Raumbedarf geklärt und abgestimmt werden. Sehr erfreulich dabei ist, dass auch das öffentliche Interesse in die Überlegungen mit einbezogen wird, wie es für so ein langfristig angelegtes Projekt für alle Seiten von Nutzen ist. Nach der derzeitigen Planung erfolgt der Abriss des Altbaus im Sommer 2019. Nach zweijähriger Bauzeit soll der Neubau Ende 2021 fertiggestellt sein. ​