So macht Natur Beobachten Spaß | Magdalena Wagner

Magadalena Wagner

Als ich im Juni 2019, nach einem sehr stressigen Arbeitstag abends schon ziemlich erschöpft auf meinem Balkon saß, habe ich aus den Augenwinkeln ein Insekt bemerkt. Zuerst dachte ich, es wäre wie üblich auf der Suche nach Futter. Als ich dann aber realisierte, dass es offenbar gerade bei der Eiablage war, war klar: Die Kamera muss her.

Nach einer Stunde des intensiven Beobachtens und Fotografierens war die Müdigkeit wie weggeblasen! So geht’s mir meistens mit Naturbeobachtungen: Sie schieben alles andere was sich gerade im Leben tut weg und machen einfach nur glücklich!

Eine Larve auf einem Blatt

In dem Fall aber ging es noch weiter: Ich vermutete schon, dass es wohl eine Schlupfwespe war, die ich da bei der Eiablage in die Puppe eines anderen Insekts hinein beobachtet hatte – aber ich wollte sichergehen. Also habe ich die Beobachtung auf iNaturalist hochgeladen. Das ist eine Plattform, wo man Fotos und Audiodokumente von wildlebenden Tieren, Pflanzen, und sonstigen Organismen hochladen kann. Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt helfen dann bei der Bestimmung.

Dort kam eine intensive Diskussion auf: Es wurde vermutet, dass die Puppe in die da gerade die Eier abgelegt wurden, ihrerseits bereits ein Parasit sei. Das würde heißen, dass erst das dritte Insekt, das da ihre Eier ablegt, tatsächlich einmal das Adultstadium erreicht! Ich war mächtig stolz auf so eine spannende Beobachtung, wurde nun aber – als ich mich wegen der bevorstehenden City Nature Challenge mit anderen iNaturalist-UserInnen aus Wien getroffen hab – eines Besseren belehrt: Es war doch einfach nur eine Schmetterlingspuppe, die da parasitiert wurde. Für mich zeigt diese Diskussion aber das Wesen von iNaturalist: Menschen aus der ganzen Welt bringen ihr Wissen ein, lernen voneinander, und vergrößern damit das Wissen über die Natur die uns umgibt!

Eine andere Beobachtung, die mich ganz besonders erfreut hat, war diese hier:

Schwebfliege

Mir war eigentlich langweilig, und weil ich gerade nichts Interessanteres entdeckt hatte, habe ich eine Blattlaus fotografiert. Erst mit dem Makro habe ich gesehen, dass die Blattlaus gerade verspeist wird! Das war dann eine spannende Sequenz, zu sehen wie die kleine Larve die viel größere Blattlaus angreift, umdreht, und aussaugt. Endlich hatte ich beobachtet, wie die ausgesaugt werden – die vielen leeren Blattlaus-Hüllen waren mir ja vorher bereits aufgefallen.

Die Wohltäter waren auf meinem Balkon großteils Schwebfliegenlarven. Auch diesmal – allerdings gab es da zuerst Unklarheit: Es stellte sich heraus, dass die Larve wohl ein erstes oder zweites Larvenstadium war, die so kurz dauern, dass sie nur selten beobachtet werden. Und weil sie so selten beobachtet werden, war es auch nicht ganz einfach, sie zu bestimmen. Wie schon zuvor waren Menschen aus der ganzen Welt beteiligt – USA, Großbritannien, Deutschland und Österreich in diesem Fall – und fasziniert davon, den Angriff der Schwebfliegenlarve auf die Blattlaus in diesem frühen Larvenstadium als Bildersequenz zu sehen!

Vielleicht halten mich jetzt manche für etwas nerdy 😉 aber für mich haben diese winzigen, unscheinbaren Lebewesen, die dann, wenn man „hineinzoomt“ so voll schöner und schräger Details im Körperbau, so voller unzähliger und völlig unterschiedlicher Überlebens- und Fortpflanzungsmechanismen stecken, eine ganz besondere Faszination.

Dass die App, die mir hilft, die Beobachtungen zu bestimmen auch von WissenschafterInnen für ihre Auswertungen genutzt wird, freut mich umso mehr: Nicht nur ich habe einen Nutzen davon, sondern ich kann auch umgekehrt zu einer globalen Datensammlung zur Artenvielfalt beitragen. Es gibt natürlich noch weitere solche Citizen Science Apps, in Österreich etwa naturbeobachtung.at. Mich hat iNaturalist überzeugt, weil es wirklich sehr einfach in der Handhabung ist – und außerdem findet via iNaturalist auch die City Nature Challenge statt:

Einmal im Jahr tragen Städte und Regionen einen globalen, freundschaftlichen Wettbewerb um die meisten BeobachterInnen, die meisten Beobachtungen, und die meisten beobachteten Arten aus. Von 29. April bis 2. Mai ist es wieder so weit, und auch Wien macht mit! Wenn ihr euch gemeinsam mit der App vertraut machen wollt und erfahren was bei den Fotos wichtig ist, um die Arten gut bestimmen zu können, laden wir euch zu einer Erkundungstour in Währing ein:

Am Freitag, 29. April, um 16:00 an der Ecke Weimarerstraße / Gentzgasse. Bitte melde dich unter waehring@gruene.at dafür an, bring Smartphone und/oder Kamera mit, und lade möglichst die App iNaturalist bereits vorab auf dein Handy!

Und falls du am 29.4. mit dem Rad kommen willst, es aber noch ein kleines Service braucht, dann kannst du morgen am 22.4 noch von 15 bis 18 Uhr bei der Radrettung in Gersthof vorbeischauen. Es gilt „First come, first served“, ohne Garantie auf Bearbeitung, wenn die vor Ort geführte Liste schon zu viele Anmeldungen aufweist.

Und am Sonntag, den 24.April von 14-16:30 Uhr gibt es wieder einen Frauenspaziergang. Die Historikerin Petra Unger vermittelt anhand von Frauenbiografien aus Währing, dass Frauen Geschichte nicht erlitten, sondern gestaltet haben – mit oder gegen die zugeschriebenen Rollen der Gesellschaft, widerständig oder angepasst. Treffpunkt: Gymnasiumstraße 47, Noch Restplätze frei, Anmeldung erforderlich bei raphaela.veit@gruene.at

Magdalena Wagner, Bezirksrätin

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