Dem Artensterben entgegensteuern | Elisabeth Blum

Endlich ist Frühling. Meine FreundInnen sprechen alle über Vielfalt im Garten. Aber warum ist Artenvielfalt überhaupt relevant? Ist das nicht das mit den Spinnen, dem stacheligen Unkraut und den ekeligen Würmen? In mancher Hinsicht ja, denn Natur besteht glücklicherweise aus viel mehr als nur ausschließlich aus Gänseblümchen und Marienkäferlein. Eine möglichst hohe Artenvielfalt ist wichtig für ein intaktes Ökosystem. Sie reguliert und gleicht aus, bewahrt uns vor Überhandnahme von Schädlingen. Unterschiedlichste Insekten bestäuben unsere Nahrungsmittel und erhalten unseren Boden. Vielfalt macht anpassungsfähig, stark und erhält die für uns überlebenswichtigen Ökosystemleistungen. Daher sind auch wir abhängig von Natur und Artenvielfalt.

Dass es uns Menschen in Sachen Vielfalt an nötiger Einsicht fehlt, zeigt wie arrogant und geringschätzig wir oft mit unserer eigenen Lebensgrundlage umgehen. Österreich ist trauriger EU-Spitzenreiter im Bodenversiegeln. So verschwinden jeden Tag (!) 11,5 Hektar in der Größe von 15 großen Fußballfelder an fruchtbaren Böden für Wohnraum, Verkehr, Gewerbe und Industrie. Monokulturen sind ein Paradies für Schädlinge, die dann in der kommerziellen Land- und Forstwirtschaft mit Gift oder Rodung bekämpft werden und andere wildlebende Tier- und Pflanzenarten, welche natürliche Feinde sein könnten gleich mit in den Tod reißen. Eine vollständige Liste an solchen naturfeindlichen Maßnahmen würde wohl jeden Newsletter sprengen.

Aber: Wir alle können diesem kurzsichtigen Trend entgegensteuern. Neben persönlichen Konsumverhalten wie z.B. einem bewussteren Umgang im Fleischverzehr, mehr Bio-Lebensmitteln oder dem Zulassen von naturbelassenen Gärten ist auch die Initiative „Österreich forscht“ eine gute Möglichkeit sich zu engagieren. Hier können Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund die wissenschaftliche Forschung unterstützen.

Aktuell ist dabei gerade die City Nature Challenge, die Magdalena ja schon im letzte Newsletter angekündigt hat. Dabei schaffen wir Bewusstsein für die Vielfalt vor unserer städtischen Haustüre und sammeln wertvolle Daten, die dann wissenschaftlich ausgewertet werden können. Durch diese tausenden Beobachtungen tragen alle TeilnehmerInnen zur Erforschung der Artenvielfallt in ihrer eigenen lokalen Gegend bei.

Bei der Challenge geht es darum Pflanzen und Tiere zu fotografieren und diese Fotos zum gemeinsamen Anschauen und zur Artenbestimmung in die App iNaturalist zu laden. Auf diese Weise kommst du mit Biologie-Vollprofis in Kontakt, kannst Wissen teilen und dich über Artenvielfalt auch in deiner unmittelbaren Umgebung austauschen.

Lorin Timaeus, Mitorganisator der City Nature Challenge Wien 2021, hat uns erzählt, dass allein in Wien fast 1.500 verschieden Arten an Pflanzen und Tieren von 150 Personen bei der letztjährigen City Nature Challenge hochgeladen wurden.

Eines der Highlights aus Währing war ein riesiger Egel, gefunden im hinteren Teich des Pötzleinsdorfer Schlossparks. Lorin Timaeus: „Es handelte sich dabei um den Mediterranen oder Ungarischen Medizinischen Blutegel. Ausgestreckt war er fast so lang wie mein Unterarm. Er ist nicht nur schön gezeichnet, sondern gehört auch zu den bedrohten Arten.“

Die diesjährige City Nature Challenge ist von 29. April bis 2. Mai. Wenn du mit Gleichgesinnten auf Arten-Schatzsuche gehen oder Tipps für das Fotografieren und Hochladen der Tiere und Pflanzen erhalten willst, komm zu unserer Erkundungstour. Treffpunkt ist am Freitag, den 29. April um 16:00 Uhr Ecke Weimarerstraße / Gentzgasse. Bitte melde dich unter [email protected] dafür an, bring Smartphone und/oder Kamera mit und lade die App iNaturalist bereits vorab auf dein Handy!

Du kannst dich aber natürlich auch ohne unsere Unterstützung beteiligen. Es reicht schon ein Spaziergang am Wochenende um das Projekt zu unterstützen. Handy mitnehmen und Abdrücken nicht vergessen, wenn dir ein Wildtier vor die Linse kommt. Viel Erfolg!

Elisabeth Blum, Aktivistin

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